2. Brief an die Diakonie bezüglich der Gerhart-Hauptmann-Schule

English below 

Nachdem wir gestern Abend eine Antwort der Diakonie bekommen haben, welche mit ähnlichem Inhalt vermutlich auch an alle ging, die der Diakonie auch geschrieben haben, haben wir einen weiteren Brief, gemeinsam mit Geflüchteten aus der Schule verfasst und an die Diakonie gesendet. Bis heute 20:00 gab es noch keine Antwort darauf. Den Brief der Diakonie werden wir aus rechtlichen Gründen in Kürze hier zusammengefasst veröffentlichen und demnächst auch in einer kommentierten Version.

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach unserem ersten Briefkontakt sind wir in Kontakt mit einigen Bewohnenden getreten und haben Sie über den Inhalt unseres Briefverkehrs informiert. Im Folgenden werden wir also insbesondere die Forderungen der Geflüchteten wiedergeben.

Zwecks Ihres Wunsches für persönliche Kommunikation zuerst einmal einige Fakten zu unserer Gruppe. Wir sind eine studentische Initiative an der Alice Salomon Hochschule und haben seit den rassistischen Ausschreitungen im Sommer 2013 unseren Fokus auf die Unterkunft für Geflüchtete in Hellersdorf gerichtet. Hierbei genießen wir den breiten Zuspruch der Hochschulleitung, sowie der Studierenden. Jedoch gilt unsere Solidarität nicht nur den Geflüchteten in Hellersdorf sondern Geflüchteten-Protesten berlin- und bundesweit. Daher richtet sich unsere Aufmerksamkeit derzeit insbesondere auf die zugespitzte Situation um die besetzte Gerhard-Hauptmann-Schule.

In Anbetracht Ihrer humanitären Leitlinien, der Tatsache, dass Sie sich in der Vergangenheit bereits für Geflüchtete eingesetzt haben und den Willen haben sich für die Rechte von Geflüchteten einzusetzen, möchten wir erneut auf den Umstand hinweisen, dass eine Räumung auch die Obdachlosigkeit von 50 Geflüchteten bedeutet; der Winter steht bevor, durch die Ausgabe von Gutscheinen für Hostels wird die Obdachlosigkeit nur hinausgezögert .

Eine Renovierung im Winter halten wir für sehr unwahrscheinlich, selbst ein Leerstehendesgebäude verursacht Kosten.

Daher stimmen wir mit der Ansicht der Gelflüchteten überein, dass es unverantwortlich ist die Menschen jetzt auf die Straße zu setzen und dass es Ihre menschliche Pflicht ist, Schutz zu gewähren und etwaige Renovierungsarbeiten bis zum Frühjahr auszusetzen.

Während der Winterzeit besteht der Wunsch, dass Sie sich als Institution vorstellen und Vertrauen aufbauen. Des Weiteren wird ein Dialog gewünscht, in dem die Möglichkeit geboten wird für Bewohnende Ihnen ihre Konzepte vorzustellen und dies soll Grundlage für alle weiteren Verhandlungen sein.

Um dem in den Medien suggerierten kriminalisierten Bild entgegen zu wirken ist ein Besuch von Ihnen in der Schule unverzichtbar. In den letzten zwei Jahren hat sich das Leben in der Schule hin zu einem autonomen Leben entwickelt, es wurden Strukturen geschaffen, die ein friedliches und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Die gemeinsame Renovierung wurde vom Bezirk zunächst angeboten dann wiederrum abgelehnt, dennoch besteht die Bereitschaft der Bewohnenden weiterhin. Auch laufen derzeit Gespräche mit weiteren Unternehmen und Architekt_innen die bereit wären die Renovierungsarbeiten mit den Bewohnenden vorzunehmen, während die Schule weiter bewohnt wird.

Die Bewohnenden der Schule und wir als Grenzen_weg und Studierende der Alice Salomon Hochschule fordern Sie ausdrücklich zum direkten und sofortigen Gespräch mit den Bewohnenden auf.

Mit verbindlichen Grüßen,

Grenzen_weg Berlin

PS: Wir weisen Sie daraufhin, dass wir uns vorbehalten den Briefverkehr öffentlich zu machen.


English:

Since we got an answer of the Diakonie yesterday afternoon, we wrote another letter to the Diakonie together with some of the Refugees of the school. The answer we got is similar to the answers all of you got who wrote by them self to the Diakonie to complain about their role in the eviction. Until now, 8 pm we got no answer to the following letter.

The letter of the Diakonie of yesterday will be published summarized within the next hours. Summarized because of legal issues. But during the next days we will publish a commented version of the letter.

Dear Ladies and Gentleman,

After our first correspondence we got into contact with some residents of the school and informed them about the content of our correspondence. In below we will particularly point out the demands of the refugees.

For the purpose of your wish of personal communication some facts about our group.

We are a student initiative at the Alice-Salomon University. Since the racist riots in Summer 2013 we focused on the accommodation for refugees in Hellersdorf. Thereby we enjoy the encouragement of the administration of the university as well as of the students. Our solidarity does not only count with refugees in Hellersdorf but also with Refugeeprotests in Berlin and throughout Germany. Therefore our attention focuses at present especially on the tensed situation around the Gerhard-Hauptmann-Schule.

In consideration of your humanitarian guidelines, the fact, that you stood up for refugees already in your past and that you are willing to advocate for the rights of refugees, we want to advise you again, that the circumstance of evicting the school means 50 homeless refugees. The winter is approaching and the release of coupons for hostels will only postpone the homelessness.

We consider that the renovation in winter is implausibly, even a empty building causes expenses.

Hence we agree with the opinion of the refugees, that it is irresponsible to leave the people in homelessness, especially now. It is your  human duty to provide cover and that leads to a suspension of renovation until spring-time. During winter time there is the wish, that you introduce yourself as the institution and build trust with the refugees. Furthermore there is the wish of a dialogue, in which the opportunity is offered to inhabitants to present their concepts and this should be the basis for all further negotiations. To counter the criminalised picture, suggested by the media, your visit in the school is essential.

In the last two years the life in the school developed to an autonomic life, new structures were build, which allowed a peaceful and self-organized life.

First the district offered a common renovation and and then declined it. However the willingness of the inhabitants still exists. Meanwhile there are conversations with other establishments and architects, who agreed to renovate the school with the inhabitants together, while the school stays inhabited.

The inhabitants of the school and we, as grenzen_weg, students of the Alice Salomon University demand you explicitly to start a direct and immediate dialogue with the inhabitants.

Sincerely,

Grenzen_weg Berlin

Student Initative of Alice Salomon University Berlin

P.S.: We inform you that we reserve to publish our correspondence.

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